Muss ich zahlen, wenn ich in der Firma versehentlich einen Schaden anrichte?

Freitag, 12.06.2015 PK

„Während eines Kundengespräches im Handyshop ist mir neulich entgangen, dass ein Ladendieb zwölf Handys einsteckte und verschwand. Der Schaden betrug fast 7.000 Euro. Und jetzt hat mein Chef mir 500 Euro vom Gehalt abgezogen, weil er mich dafür verantwortlich macht. Darf er das?“

Das darf er natürlich nicht, weil man Ihnen allenfalls leichte Fahrlässigkeit vorwerfen kann. In einem ähnlich gelagerten Fall entschied das Arbeitsgericht Oberhausen: "Ein leicht fahrlässiger Mitarbeiter haftet nicht für Diebstahl, sondern den Schaden hat der Arbeitgeber voll selbst zu tragen. Weder vom Gehalt noch etwaigen Verkaufsprovisionen dürfen Kürzungen vorgenommen werden."

Bei Vorsatz jedoch voll zur Kasse gebeten

Zwar haften auch Arbeitnehmer für Schäden, die sie im Dienst verursachen, aber dabei kommt es immer auf den Grad des Verschuldens an. Wer etwa vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt, z. B. betrunken mit dem Firmen-Fahrzeug einen Unfall verursacht, kann durchaus voll zur Kasse gebeten werden.  

Lebensumstände zählen mit

Allerdings gibt es über die Höhe der Beteiligung am Schadensersatz keine festgeschriebene Regel. Denn Berücksichtigung vor dem Arbeitsgericht finden grundsätzlich auch die Höhe des Einkommens, das Lebensalter, die Dauer der Firmenzugehörigkeit, die Häufigkeit von Schäden und die Familienverhältnisse des Arbeitnehmers. Ein Beispiel: Ein Familienvater, der 1.500 Euro brutto im Monat nach Hause bringt, wird bestimmt nicht voll zur Kasse gebeten, wenn er einen Schaden von mehreren tausend Euro verursacht – auch nicht, wenn dies grob fahrlässig geschah. Meist ist die Haftung in solchen Fällen auf maximal zwei Monatsgehälter beschränkt.

Unter Kollegen gilt anderes Recht

Unbeschränkt haften Arbeitnehmer allerdings, wenn sie Schäden am Eigentum von Kollegen anrichten. Denn dabei gilt das so genannte „Haftungsprivileg“ nicht. Wer sich also den Pkw eines Kollegen ausleiht und damit einen Crash baut, muss seinem Kollegen sogar den Verlust des Schadensfreiheitsrabattes bei der Kfz-Haftpflicht, den Gutachter und den Nutzungsausfall erstatten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Oberhausen: 2 Ca 1013/11

Landesarbeitsgericht Hamm: 16 Sa 86/06

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