Geht gar nicht: Gewalt bei der Kindererziehung

Donnerstag, 23.07.2015 DOD

In der Kindererziehung hat Gewalt nichts zu suchen. Zu Recht. Vor allem Schläge mit Gegenständen, zum Beispiel mit einer Rute, sind ein absolutes Tabu. Doch dieser Meinung sind leider nicht alle Eltern. Manche glauben sogar, Schläge gehörten zu einer „richtigen und liebevollen“ Erziehung einfach dazu…

Züchtigungen mit der Rute sind bei der Glaubensgemeinschaft der „Zwölf Stämme“ an der Tagesordnung. Dass sie ihre Kinder schlagen, rechtfertigen die Eltern mit Absätzen aus der Bibel: „Seitdem die Rute verboten wurde, ist die Hölle los“, so beginnt der Internetauftritt dieser fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft. Doch es sind beileibe nicht die einzigen, die Kinder schlagen und das auch noch rechtfertigen.

Kinder haben Recht auf gewaltfreie Erziehung

In Deutschland haben Kinder, seit der Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahr 2000, einen gesetzlichen Anspruch auf gewaltfreie Erziehung. Denn während es früher als selbstverständlich angesehen wurde, sein Kind notfalls auch mit Prügel zu erziehen, hat der Gesetzgeber dem sogenannten „Züchtigungsrecht“ mittlerweile einen Riegel vorgeschoben: So ist es Eltern – und natürlich auch anderen Personen wie Lehrern, Babysittern und anderen Aufsichts- oder Erziehungspersonen – laut Gesetz verboten, Kinder psychisch wie physisch zu verletzen oder sie zu erniedrigen.

Kinder müssen vor Eltern geschützt werden

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts (OLG) Nürnberg haben vor allem Züchtigungen mit der Rute - eine „dünne, frische Weidenrute“, wie sie von Mitgliedern der Zwölf Stämme praktiziert werden - nichts in der Kindeserziehung verloren. Deshalb wurden mehrere von ihnen vorerst ihren schlagenden Eltern weggenommen und in Heimen und Pflegefamilien untergebracht. Dort spielt der Stock bei der Erziehung keine Rolle. Hoffen wir, dass auch andere Kinder, die anonym in der Masse der Bevölkerung untergehen, vor ihren schlagenden Eltern geschützt werden können.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Nürnberg, Urteil vom 27. Mai 2015, Aktenzeichen: 9 UF 1549/14

Oberlandesgericht Nürnberg, Urteil vom 11. Juni 2015, Aktenzeichen: 9 UF 1430/14

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Paragraph 1631 II

Kind mit Verletzung

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Gewalt bei der Kindererziehung
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23.07.2015 10:04
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