Kein Urlaub? Dann meld’ ich mich ganz einfach krank

Montag, 18.01.2016 PK

Gar keine gute Idee! Schlimm genug, wenn jemand „krankfeiert“ – aber dann sollte er das besser für sich behalten. Denn Arbeitnehmer, die mit einer Krankmeldung drohen, weil sie kurzfristig  keinen Urlaub bekommen, können nämlich gleich ganz zu Hause bleiben…

Diese eingängige Regel hatte ein Angestellter wohl vergessen. Er wollte kurzfristig einen Tag Urlaub. Drei Stunden, bevor seine Schicht begann, rief der Mann deshalb seinen Vorgesetzten an, um sich freizunehmen. Doch der konnte das so kurzfristig nicht selbst entscheiden. Deshalb bat er den Mitarbeiter, den Urlaubsantrag im Zentralbüro noch einmal zu stellen.

Fristloser Rauswurf

Statt diesem Rat zu folgen, unterließ der Mann aber den Anruf. Stattdessen drohte er dem Schichtleiter: „Wenn ich keinen Urlaub bekomme, melde ich mich eben krank.“ Zehn Minuten vor Arbeitsbeginn rief er dann tatsächlich an, um sich krank zu melden.  Selbstverständlich meldete der Vorgesetzte diesen Vorfall dem Arbeitgeber. Und der entschied: „Krankmeldung nicht mehr nötig, der Mann braucht sich hier nicht mehr blicken zu lassen!“ Im Klartext: Fristlose Kündigung!

Ein unglaubwürdiges Attest

Damit war der „Blaumacher“ aber nicht einverstanden: Weil er sicher war, dass ein ärztliches Attest Beweis genug für eine Krankheit ist, zog er vor Gericht. Und mit dieser Einschätzung hatte der Mann gar nicht mal so unrecht: Tatsächlich halten Richter normalerweise ein Attest grundsätzlich für beweiskräftig. In diesem Fall aber nicht: „Da der Mann bereits im Vorfeld angedroht hatte, sich krankschreiben zu lassen, verliert das ärztliche Attest an Glaubwürdigkeit!“, so die Richter. Ob er tatsächlich arbeitsunfähig war oder nicht, spielte vor diesem Hintergrund überhaupt keine Rolle mehr. 

Weiterbeschäftigung unzumutbar

Wir können uns also merken: Angestellte, die sich wie in diesem Beispielfall verhalten, zerstören damit das Vertrauen des Arbeitgebers. Und dem ist es dann nicht mehr zuzumuten, einen solchen Angestellte weiter zu beschäftigen. Die fristlose Kündigung ist daher wirksam.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LAG Hamm – 10 Sa 156/15

„Kranker“ Mann im Bett mit Handy

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