50-Jähriger verschickt Fake-Bewerbung, um Altersdiskriminierung aufzudecken

Montag, 13.10.2014 BJ

Ein Mann aus Schleswig-Holstein dachte sich einen „Streich“ der besonderen Art aus: Um zu testen, ob Stellenbewerber ob ihres Alters diskriminiert werden, verschickte er gleich zwei Bewerbungen.

Schein…

In der beschönigten und gefälschten Bewerbung machte er sich nicht nur 18 Jahre jünger, sondern formulierte auch einen auf die Stellenausschreibung angepassten Lebenslauf. Doch damit nicht genug: Er erstellte frei erfundene Zeugnisse und verwendete als Foto für den Lebenslauf ein altes Bild von sich.

…und Sein

Seine zweite Bewerbung entsprach dagegen der Wahrheit. Auch in Wirklichkeit verfügte der Mann über die erforderlichen Kenntnisse eines sogenannten „Servicetechnikers im Innendienst“, nur seine tatsächlichen Praxiskenntnisse lagen schon ein Weilchen zurück.

Die Falle schnappte zu

Der Mann erhielt einen Termin zum Vorstellungsgespräch. Wie zu erwarten, erfolgte die Einladung jedoch nicht auf seine unverfälschte, sondern auf die Testbewerbung. Darauf reagierte der Mann sofort und reichte beim Arbeitsgericht Neumünster eine Klage auf Zahlung von 10.500 € ein, weil er sich wegen seines Alters diskriminiert sah.

Kein Erfolg vor Gericht

Während das Arbeitsgericht dem Mann immerhin 2.000 € zusprach, lehnte das Landesarbeitsgericht einen Entschädigungsanspruch in zweiter Instanz ab. Der Mann sei nicht wegen seines Alters diskriminiert worden. In der gefälschten Bewerbung hätte er aktuellere Berufserfahrungen und laut Lebenslauf schon mehrere Jahre im Kundensupport gearbeitet. Deshalb durfte der Scheinbewerber bevorzugt werden.

Aber: Testbewerbungen sind zulässig

Das Gericht wies aber darauf hin, dass Testbewerbungen an sich zulässig seien, wenn sie einen bestimmten Auslöser hätten, nicht rechtsmissbräuchlich seien und die Strafgesetze dabei beachtet würden. 

Bliebe trotzdem die Frage, ob man alles machen sollte, was man eigentlich dürfte…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Urt. v. 09.04.2014 Az. 3 Sa 401/13

§ 15 AGG

Bewerbungsschreiben

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Fake-Bewerbung, um Altersdiskriminierung aufzudecken
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13.10.2014 08:00
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