Dürfen Firmen mit der Schufa drohen?

Mittwoch, 10.06.2015 PK

Mit einem negativen Schufa-Eintrag wird das Leben verdammt schwer: Handyverträge, Kredite, Wohnungssuche – all das wird einem verbaut, wenn man laut Schufa-Auskunft als „Risikokunde“ gilt. Denn für die Meisten ist solch ein Negativ-Eintrag das unmissverständliche Signal: Vorsicht, kreditunwürdig!

Viele Firmen drohen außerdem bereits mit der Schufa, auch wenn die Forderungen bestrittenen oder noch offen sind. Das Motto: Entweder Du zahlst jetzt, ohne Dich zu wehren, oder wir verpetzen Dich. Dieses Druckmittel wirkt bei vielen: Sie zahlen, obwohl sie es vielleicht gar nicht müssten. Und deshalb ist die Drohung mit dem Schufa-Eintrag unzulässig!

So schnell bekommt keiner einen Schufa-Eintrag

Und nicht nur unzulässig, sondern so ein Eintrag ist auch in der Praxis gar nicht immer möglich. Denn eine Firma kann nicht einfach hingehen und einen Eintrag verlangen! Was viele nicht wissen: Die Schufa registriert keine offenenen Rechnungen oder Mahnungen, wenn diese vom Kunden bestritten werden! Dann darf die Firma den Zahlungsverzug nicht an die Schufa melden. Brenzlig wird es allerdings, wenn man Mahnungen einfach ignoriert. Denn dann bestreitet man die Forderung auch nicht, und die Firma kann den Eintrag beantragen!

Der BGH stärkt Kundenrechte

Also: Wenn der Kunde die Forderung bestreitet, darf die Firma den Zahlungsverzug überhaupt nicht an die Schufa melden. Und nicht nur das: Auf diesen Umstand müssen die Firmen in ihrer Belehrung auch deutlich hinweisen, wie der Bundesgerichtshof erst kürzlich entschieden hat. Übrigens ist eine Finanzierung auf Pump keineswegs verwerflich für die Schufa: Ratenkredite, Leasingverträge oder Kreditkartenkonten wirken sich sogar positiv auf die Bonitätsbewertung aus, solange die Rückzahlungen störungsfrei laufen. Sogar eifrige Onlineshopper sind bei der Schufa gut angesehen…

Was, wenn es trotzdem einen Eintrag gibt?

Jeder hat das Recht, einmal pro Jahr eine kostenlose Eigenauskunft von der Schufa anzufordern. Finden sich dann darin fehlerhafte oder ungerechtfertigte Einträge, kann man von der Schufa eine Löschung verlangen. Dafür muss man natürlich Quittungen oder andere Zahlungsbelege wie z. B. Kontoauszüge vorlegen. Wenn das aber alles geschehen ist, ist man wieder „Schufa-frei“…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgerichtshof: Urteil vom 19. März 2015, I ZR 157/13

Mädchen mit Handy

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10.06.2015 17:46
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