Dieter Degowski: Mit neuem Namen in die Freiheit

Donnerstag, 03.09.2015 PK

Es war eines der wohl spektakulärsten Verbrechen in der deutschen Kriminalgeschichte: das Geiseldrama von Gladbeck im August 1988. Im Anschluss an einen Bankraub nahmen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner mehrfach Geiseln. Auf ihrer Flucht erschoss dann Degowski den 15-jährigen Emanuele De Giorgi, bei der Verfolgung in den Niederlanden kam ein Polizist ums Leben. Eine zweite Geisel, die 18-jährige Silke Bischoff, starb während einer Schießerei mit der Polizei. Dieter Degowski könnte nächstes Jahr entlassen werden.

Denn seine Mindesthaftstrafe von 24 Jahren hat der Gladbecker Geiselgangster abgesessen. Deshalb bekommt er derzeit „dosierte Lockerungsmaßnahmen“. Das heißt: Er ist schon ohne Aufsicht zu gelegentlichen Tagesausgängen unterwegs. Dies dient der Vorbereitung auf eine Entlassung. 

Eine Kette von Fehlversuchen

Und die ist im August 2016 möglich, sofern er selbst (über seine Anwältin) den Antrag stellt, seine Reststrafe zur Bewährung auszusetzen. Das hat er schon ein paarmal erfolglos versucht: Im Jahr 2002 lehnte das Oberlandesgericht Hamm eine vorzeitige Entlassung wegen der besonderen Schwere der Schuld ab. 2008 folgte ein Gnadengesuch, das vom damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers abgelehnt wurde. Auch 2013 entschied erschien es dem  Landgericht Arnsberg als zu riskant, Degowski vorzeitig in die Freiheit zu entlassen.

Der Gutachter hat das letzte Wort

Was wohl feststeht, ist: Degowski wird, falls er entlassen wird, eine Namensänderung beantragen, um sein neues Leben unerkannt zu verbringen. Das wurde von der JVA in Werk bestätigt, und ein Sprecher von Justizminister Thomas Kutschaty sagte: „Es ist nicht unüblich, dass bekanntgewordene Straftäter eine Namensänderung beantragen.“ Der inzwischen 60-Jährige wird sich aber vor der Entlassung einem Gutachter stellen müssen, der ihn auf seine Gefährlichkeit hin untersucht. 

Sein Komplize bleibt unter Verschluss

Sein Komplize Hans-Jürgen Rösner (58), verurteilt zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung, hat unterdessen Hafterleichterungen beantragt. Den halten die Vollstreckungsbehörden immer noch für so gefährlich, dass er noch nicht einmal Freigang mit Polizeibewachung bekam.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bankraub (schwerer Raub) § 250 StGB

Geiselnahme § 239b StGB

Mord § 211 StGB

Stacheldraht

Weitere Artikel

article
4883
Dieter Degowski: Namensänderung nach Haftentlassung
Es war eines der wohl spektakulärsten Verbrechen in der deutschen Kriminalgeschichte: das Geiseldrama von Gladbeck im August 1988. Im Anschluss an einen...
/news/aktuell/dieter-degowski-namensaenderung-nach-haftentlassung
03.09.2015 14:29
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/gefaengnis-stacheldraht-getty_images/98969-1-ger-DE/gefaengnis-stacheldraht-getty_images_contentgrid.jpg
Aktuell

Kommentare