Ein Vierteljahrhundert in der Todeszelle

Dienstag, 24.03.2015 PK

Die in Berlin geborene Debra Milke war 1991 in den USA zum Tode verurteilt worden. Sie soll im Jahr 1989 zwei Männer angestiftet haben, ihren damals vierjährigen Sohn zu töten. Doch der damalige Ermittler hatte ihr angebliches Geständnis gefälscht…

Das Todesurteil stützte sich vor allem auf die Aussage des leitenden Ermittlungsbeamten Armando Saldate. Er behauptete im Prozess, Debra Milke hätte ihm die Anstiftung zum Mord gestanden. In Wahrheit aber existierte weder ein unterschriebenes Geständnis, noch gab es Tonbandaufzeichnungen oder Zeugen. Warum die Geschworenen dennoch von der Schuld der Frau überzeugt waren, ist völlig unverständlich. Klar ist aber: Die Geschworenen wurden nicht darüber aufgeklärt, dass der Chefermittler vorher schon wegen Falschaussage unter Eid straffällig geworden war.

Ein Leben voller Todesangst

Erst Ende 2013 befand ein Berufungsgericht das damalige Urteil für falsch und hob es auf. Aber da hatte die Berlinerin bereits 22 Jahre in der Todeszelle gesessen. Hatte miterlebt, wie andere Gefangene hinausgeführt wurden und nicht zurückkamen. Und sich jeden Tag gefragt: „Wann bin ich an der Reihe?“ Ein Leben in unerträglicher Angst!

In Freiheit, und doch gefangen

Auch als die Frau 2013 auf Kaution freikam, war diese Angst längst noch nicht vorbei. Milke musste eine elektronische Fußfessel tragen, hatte sich strikt an ein nächtliches Ausgehverbot zu halten und durfte nicht einmal einen Prosecco trinken – absolutes Alkoholverbot!

Die Jahre sind für immer verloren

Dass sie immer und immer wieder ihre Unschuld beteuert hatte, verhalf ihr nach fast einem Vierteljahrhundert voller Todesangst zwar endlich zur Freiheit, die Trauer über den Tod ihres Sohnes nimmt es ihr aber nicht. Und die verlorenen Lebensjahre bringt es ihr auch nicht zurück. Erst diese Woche fand der mit Abstand peinlichste US-Justizskandal ein gerechtes Ende. Die Gerichtsanhörung in Phoenix/Arizona dauerte keine fünf Minuten.

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