Costa Concordia: Das letzte Opfer ist gefunden

Montag, 10.11.2014 PK

Fast drei Jahre nach der Schiffskatastrophe der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio wurde jetzt das letzte, bislang vermisste Opfer gefunden. Die sterblichen Überreste eines indischen Kellners wurden vor wenigen Tagen im Abwrackbetrieb in Genua entdeckt. Fast zeitgleich bekam der Kapitän des Unglücksschiffs vom Gericht 26.000.- € zugesprochen.

Im Januar 2012 war das Kreuzfahrtschiff gesunken, 32 Menschen verloren dabei ihr Leben. Und seither wird vor Gericht darum gekämpft, ob die Reederei Hinterbliebenen sowie Überlebenden eine Abfindung zahlen muss, und es geht um die Rolle von Francesco Schettino, dem Kapitän des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes. Zwei deutsche Überlebende haben inzwischen ihre Ansprüche vor Gericht durchgesetzt. Ob sie jedoch die ursprünglich jeweils geforderten 113.000.- € bekommen haben – darüber wurde in der Verhandlung Stillschweigen vereinbart.

Kapitän, Frauen und Kinder  zuerst

Beschäftigen wir uns also mit dem Kapitän. Der muss sich vor Gericht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Vorgeworfen wird ihm allerdings auch Feigheit, denn er hatte sich als einer der Ersten in Sicherheit gebracht, noch bevor die Passagiere gerettet waren. Jetzt ist er sich für keine noch so bizarre Ausrede zu schade: „Hätte ich mich nicht ins Boot gerettet, wäre ich ins Wasser gefallen“. Zuvor war Schettino zitiert worden, er sei ins Rettungsboot „gefallen“. Auch nicht wirklich besser.

Und dafür kriegt er auch noch Geld

Dennoch konnte sich der feige Kapitän vor Gericht gegen seinen Arbeitgeber durchsetzen: Er bekommt 26.000.- € für seine Anwalts-Honorare erstattet, die ihm laut Arbeitsvertrag für solche Fälle zustehen!

Welche Gesetze gelten für Seeleute?

Werfen wir einen Blick auf das Seerecht: Im deutschen Seerecht gibt es keinen ausdrücklichen Paragraphen, der vorschreibt, dass ein Kapitän als Letzter sein sinkendes Schiff verlassen muss. Er kann sich jedoch wegen Totschlags durch Unterlassen (§§ 212, 13 StGB) und unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB) strafbar machen, wenn er nicht alles Mögliche unternimmt, um seine Passagiere zu retten. 

Kein „dolce Vita“

Im italienischen Seerecht ist das Verhalten im Falle der Seenot klarer geregelt: Der „Codice della navigazione“, § 303 sagt: „Der Kapitän muss das Schiff als Letzter verlassen und dabei nach Möglichkeit Karten und Logbücher retten sowie die Wertgegenstände, die ihm anvertraut wurden.“ Verstößt er gegen diese Vorschrift, drohen ihm neben zivilrechtlichen Ansprüchen bis zu 12 Jahre Haft. Mit diesem Wissen im Hintergrund war es - gelinde ausgedrückt - mehr als gewagt von Schettinos Anwälten, für ihren Mandanten einen Freispruch zu fordern. Immerhin handelte es sich um ein italienisches Schiff einer italienischen Reederei, das in italienischen Gewässern havarierte. Aber irgendwie müssen die Herren Avvocati  ja ihre 26.000.- € verdienen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§§ 212, 13 StGB, § 323c StGB, Codice della navigazione, § 303

Costa Concordia

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Costa Concordia: Kapitän bekommt 26.000 €
Fast drei Jahre nach der Schiffskatastrophe der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio wurde jetzt das letzte, bislang vermisste Opfer gef...
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10.11.2014 08:00
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