Chemo: 20.000 Euro Sch​mer​zens​geld für Haar​ver​lust

Montag, 25.04.2016 PK

Eine Krebspatientin, die in Folge einer Chemotherapie unter dauerhaftem Haarverlust leidet, erhielt jetzt ein beachtliches Schmerzensgeld. Der Grund: Die Ärzte hatten es versäumt, die Patientin ausreichend über dieses Risiko aufzuklären…

Die Frau musste sich wegen Brustkrebs operieren lassen, und wie meist üblich schloss sich daran eine Chemotherapie an. Diesmal allerdings mit einem recht neuen, aber hochwirksamen Medikament - hochwirksam, aber leider nicht ohne unangenehme Nebenwirkungen: Denn nach der Behandlung verlor die Frau sämtliche Haare. Wimpern und Augenbrauen fehlen bis heute vollständig, und das Haupthaar wächst nur stellenweise nach. Über dieses Risiko hatten die Ärzte vorher kein Wort verloren.

3,2 Prozent Risiko reicht

Ihre Klage vor dem Landgericht verlor die Frau jedoch vorerst. Denn die Richter folgten der Argumentation der Ärzte: Es habe keine ausreichenden Anhaltspunkte für das Risiko des dauerhaften Haarverlustes gegeben. Dem schloss sich das Oberlandesgericht Köln allerdings nicht an, weil es aus den Veröffentlichung des Medikamenten-Herstellers bereits zum Zeitpunkt der Behandlung ergab, dass mit einer 3,2-prozentigen Wahrscheinlichkeit Haarverlust eintritt.

Keine Frage von Leben und Tod

Den Einwand des Krankenhauses, dass sich die Patientin so oder so für die Chemotherapie entschieden hätte, ließen die Richter nicht gelten. In der Urteilsbegründung heiß es: „Es sei nicht sicher, ob sich die Patientin für eine lediglich abstrakt höhere Überlebens-Chance entschieden hätte, wenn sie über das konkrete Risiko vollständig aufgeklärt worden wäre.“ Denn nach intensiver Befragung der Patientin kamen die Richter zu der Einsicht, dass sich die Frau in einem echten Entscheidungskonflikt befunden haben musste. 

Wann Ärzte nicht schweigen dürfen

Durchaus möglich also, dass sie sich gegen die Chemotherapie entschieden hätte – schließlich hätte es ja alternative Medikamente gegeben. Patienten müssen daher vor jeder ärztlichen Behandlung wissen, worauf sie sich einlassen. Und selbst wenn das Risiko „nur“ 3,2 Prozent beträgt, dürfen Ärzte darüber nicht schweigen. Tun sie es doch, müssen sie Schmerzensgeld zahlen – in diesem Fall 20.000 Euro.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 21.03.2016 – 5 U 76/14

Frau mit Chemo

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