Burnout-Syndrom als Berufskrankheit anerkannt

Mittwoch, 27.05.2015 DOD

Immer häufiger ist der Druck auf der Arbeit so hoch und die Arbeitszeiten so lang, dass Arbeitnehmer am Burnout-Syndrom leiden. Also völlig ausgebrannt und nicht mehr arbeitsfähig sind. Doch Versicherungen tun sich nach wie vor schwer damit…

Ein Finanzmakler führte für eine Kapitalvermittlungsgesellschaft täglich 100 bis 200 Telefonate, dabei ging es oft um Summen in Millionenhöhe. 20 Jahre arbeitete er in seinem Beruf. Zuerst kamen die Kopfschmerzen, dann Schlafstörungen und Müdigkeit. Jeden Tag zehn Stunden arbeiten, dazu noch vereinzelt die Wochenenden. Irgendwann schaffte der Körper das nicht mehr.

Herzbeschwerden und Angstzustände

Immer häufiger litt er unter Konzentrationsstörungen und konnte sich die Namen seiner Kunden nicht mehr merken. Als dann noch eine Depression mit Herzbeschwerden und Angstzuständen dazukam, diagnostizierte der Gutachter eindeutig ein Burnout-Syndrom und sprach sogar von einer Persönlichkeitsstörung. Damit konnte der Finanzmakler unmöglich in seinem Beruf weiterarbeiten.

Versicherung verweigerte die Zahlung

Seine Berufsunfähigkeitsversicherung verweigerte jedoch die Zahlung einer Rente. Doch das Landgericht München gab dem Mann schlussendlich Recht: Die Versicherung muss nun eine Rente von monatlich 9.000 Euro zahlen -  rückwirkend seit Beginn der Berufsunfähigkeit, sprich zusätzlichen 148.000 Euro.Hinzu kamen die zu viel gezahlten Beiträge in Höhe von etwa 65.000 Euro. Damit bestätigen die Münchner Richter erstmals ein Burnout als Ursache für Berufsunfähigkeit.

Wann wird Burnout als Berufsunfähigkeit anerkannt

Damit die Versicherung auch zahlt, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein: So muss ein medizinisches Gutachten den Burnout-Befund belegen und andere Ursachen als Grund für die Berufsunfähigkeit ausschließen. Wichtig: Unmittelbar vor Vertragsabschluss eines neuen Arbeitsverhältnisses von einem Facharzt bescheinigen lassen, dass akut kein Burnout vorliegt! Dies erleichtert bei einer späteren Burnout-Erkrankung die Beweisführung. Gerade der Nachweis von letzterem ist nämlich oft schwierig, da sich ein Burnout meist schleichend entwickelt, und der Arbeitgeber ansonsten behaupten könnte, sein Mitarbeiter hätte den Burnout schon „mitgebracht“…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht München, Urteil vom 22. März 2006, Aktenzeichen: 25 0 19798/03

Frau, Burnout

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27.05.2015 07:32
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