Gefälschter Tacho – ein gefährlicher Trend

Sonntag, 17.05.2015 DOD

Früher war das Manipulieren eines Kilometerzählers im Auto sehr aufwendig, heute kann es fast jeder Laie. Nur drei Sekunden – und schon ist das alte Auto wieder neu. Zumindest auf dem Tacho. Und damit beim Verkauf ein paar tausend Euro teurer…

Bei eBay bot ein privater Verkäufer einen Mercedes zur Versteigerung an. Der Tacho zeigte 152.000 Kilometer Fahrleistung, das Auto sollte 6.000 Euro kosten. Der Wagen hatte bereits drei Vorbesitzer. Verkäufer und Käufer trafen sich. Und nach einer kurzen Verhandlung wechselte das Auto den Besitzer.

Tachostand war um einiges höher

Doch der Schreck kam für den Käufer mit der ersten Inspektion. Denn hier stellte sich heraus: Der Tachostand lag bereits schon vor fünf(!) Jahren bei wesentlich mehr, nämlich bei 234.000 Kilometern. Der Käufer wollte den Kauf deshalb so schnell wie möglich wieder rückgängig machen, und der Fall kam vor Gericht. 

Risiko bei Privatgeschäften 

Doch die Klage vor dem Landgericht Kiel wurde abgewiesen! Obwohl der Tachostand erwiesenermaßen falsch war! Denn da der Verkauf ein Privatgeschäft gewesen war und der Verkäufer beteuerte, nichts von der Manipulation gewusst zu haben, hatte der Käufer das Nachsehen. Dazu kam noch, dass der neue Besitzer das Auto vor dem Kauf gesehen und nichts bemerkt hatte. Deshalb wurde das Gebrauchtwagengeschäft von dem Gericht, trotz des manipulierten Tachos, als rechtswirksam eingestuft, und der Käufer ging leer aus. Denn grundsätzlich gilt: Nur Firmen und Händler, die gewerblich verkaufen, haften für derartige Mängel. Beim Privatgeschäft ist immer Risiko mit dabei. 

Das muss man wissen: Jeder dritte Tacho ist manipuliert

Das Zurückdrehen des Tachos dauert meist nur Sekunden und wird – obwohl gesetzlich verboten – von vielen „Dienstleistern“ zu Preisen ab 50 Euro pro Auto überall angeboten. Für Betrüger lohnt sich das Geschäft: Nach der Manipulation kann mancher Gebrauchtwagen für das Doppelte seines Werts verkauft werden. Dadurch zahlen Käufer im Schnitt 3000 Euro zu viel für ihr Auto. Laut Polizei wird so bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Tacho manipuliert. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um Betrug, doch gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden die Verantwortlichen nur äußerst selten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Kiel, Urteil vom 13. August 2014, Aktenzeichen: 9 O 262/13

Tachometer

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Betrug: Jeder dritte Tacho ist manipuliert
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17.05.2015 12:21
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