Auf zweijährige Tochter im Bus eingeprügelt – Geldstrafe

Montag, 27.04.2015 PK

Weil eine junge Mutter auf ihre kleine Tochter in einem Bus in Hamburg eingeprügelt und -getreten hatte, stand sie jetzt vor Gericht. Die Strafe, die sie erhielt: 630 Euro…

Der Vorfall eignete sich in der Buslinie 130 in Hamburg. Eine Zeugin hatte beobachtet, wie eine Mutter (23) ihre kleine Tochter verprügelte. Und der Großvater (53) des kleinen Mädchens saß daneben, ohne einzugreifen. Dank eines Handyfotos, das eine Zeugin von der Täterin machte, konnte diese von der Polizei jedoch einige Zeit später ermittelt werden. Jetzt mussten sie und der Großvater sich vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg verantworten.

Strafe: das Einkommen für ein Vierteljahr

Die Urteile: Nachdem das inzwischen dreijährige Mädchen sofort nach ihrem Auffinden im Gerichtsmedizinischen Institut untersucht worden war, erhielt die Mutter nun eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Also das Nettoeinkommen für ein Vierteljahr. Aber weil die Frau so gut wie kein Einkommen hat, wurde ihr Tagessatz vom Gericht auf 7 Euro festgesetzt. Die Strafe beträgt also trotzdem nur 630 Euro.

Der ebenfalls angeklagte Großvater des Mädchens, der tatenlos zugesehen hatte, wurde zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen je 25 Euro, insgesamt also 1.250 Euro, verurteilt. Der Tatvorwurf gegen ihn: Körperverletzung durch Unterlassen.

Erziehung und Abschreckung durch Ablass?

Das wird sicher vielen als zu gering erscheinen. Immerhin: Ein Denkzettel mit erzieherischem Effekt ist es hoffentlich. Denn genau dass soll Strafe ja eigentlich sein: angemessen. Das bedeutet so hart, dass der Täter für alle Zeit von einer Wiederholung abgehalten wird. Das gelingt natürlich nicht immer. Sie erinnern sich dabei sicher an unseren Artikel  „Schon wieder wurde ein Baby brutal misshandelt – hört denn das niemals auf?“.

Der Bremsklotz für die Ermittler

Übrigens durfte die Polizei das Handyfoto erst sechs Wochen nach der Tat veröffentlichen und auf diese Art nach der Täterin fahnden. Denn trotz weiterhin drohender Gefährdung des Kindes darf ein Foto erst dann veröffentlicht werden, wenn andere Ermittlungsansätze erfolglos verlaufen (§ 131 StPO). Zum Glück wurde die Täterin von Nachbarn auf dem Foto erkannt - sonst wäre aus dem erzieherischen Denkzettel womöglich nichts geworden…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Ausschreibung zur Festnahme § 131 StPO

Körperverletzung §§ 223 bis 231 StGB

Kind mit Teddy

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