Chefarzt soll zwölf Frauen vergewaltigt haben – zu medizinischen Zwecken

Montag, 04.05.2015 PK

Seine Aussage vor dem Landgericht Bamberg  ist wohl an Zynismus kaum zu überbieten. „Alles, was er tat“, so der Chefarzt, „sei zum Wohle der Patientinnen geschehen“…

Das dürften die zwölf Frauen wohl anders sehen. Laut Anklage soll der 49-Jährige sie nämlich betäubt und anschließend missbraucht haben. Unter den mutmaßlichen Opfern sind außerdem nicht nur Patientinnen, sondern auch Mitarbeiterinnen des Klinikums Bamberg. 

Unglaubwürdige Darstellung

Laut Staatsanwaltschaft ging der Arzt immer gleich vor: der Mediziner verabreichte den Opfern ein Hypnotikum unter dem Vorwand, ihnen für eine Untersuchung ein Kontrastmittel spritzen zu müssen. Dabei ist das Klinikum Bamberg für eine solche Kontrastmittel-Untersuchung gar nicht ausgerüstet! Was ebenfalls gegen den Arzt spricht ist die Tatsache, dass die Vorfälle immer außerhalb der regulären Sprechstunden stattfanden. So soll er sich an einer 20-jährigen Patientin unter dem Vorwand von Nachuntersuchungen sogar sechsmal vergangen haben.

Angeblich alles zu „Ausbildungszwecken“

Seine angeblichen „Studien“ am lebenden Objekt dokumentierte der Arzt auf über einer Million Fotos und Videos. Und das alles ohne einen Funken von Unrechtsbewusstsein. „Das Einzige, was er bedaure“ - so der Arzt vor Gericht - „sei, dass er die Frauen vor der Behandlung wohl nicht ausreichend genug aufgeklärt zu haben schien“. Mit Aufklärung hätten sich die betroffenen Frauen das auch wohl kaum gefallen lassen. Aber der Gefäß-Chirurg bleibt dabei, die Fotos lediglich zu Ausbildungszwecken gefertigt zu haben. Da stellt man sich natürlich die Frage, warum er, so die Anklage, auch Sexspielzeug eingeführt und fotografiert hat… 

Immerhin ein schwacher Trost

Einen schwachen Trost für die traumatisierten Opfer gibt es immerhin: Sie erhalten unabhängig vom Prozessausgang Entschädigungen von jeweils 15.000 Euro. Darauf einigte sich der Betreiber des Klinikums mit den Opferanwälten. Dem Mann allerdings, der in der Presse bereits als „Dr. Pervers“ gebrandmarkt wurde, drohen nun 15 Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Körperverletzung §§ 223 bis 231 

Vergewaltigung § 177 StGB

Krankenhausliege

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Arzt vergewaltigt Frauen zu medizinischen Zwecken
Seine Aussage vor dem Landgericht Bamberg  ist wohl an Zynismus kaum zu überbieten. „Alles, was er tat“, so der Chefarzt, „sei zum Wohle der Patientinne...
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04.05.2015 17:39
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