Recht auf Produktinformationen: Wieso schmeckte die Butter in „Aldi Nord" ranzig?

Mittwoch, 01.10.2014 HH

Auslöser war ein bei „Aldi Nord“ in Neumünster gekauftes, ranzig schmeckendes Pfund „Irische Butter“. Denn obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht überschritten war, schmeckte die von Ruth R. im Mai 2013 gekaufte Butter „ätzend“.

Monatelang fragte die Frau daraufhin vergeblich bei „Aldi Nord“ an, um zu erfahren, was zunächst die Butter und später ihr den Appetit verdorben habe. Doch anstatt mit transparenten Laborwerten versuchte man die Dame mit Geschenken wie Champagner, Kaffee, Gebäck und - von einer guten Portion Selbstironie zeugend - mit einem Buttermesser abzuspeisen. Frau R. ließ sich damit jedoch nicht „bestechen“, sondern wollte als Verbraucherin mit dem Recht auf Information ernst genommen werden.

Kurzerhand durfte ein „Aldi“-Bezirksleiter die Geschenke wieder bei ihr abholen. 

Geschickter Schachzug von Aldi am Vorabend des Prozesses

Nun erhob die Kundin Klage gegen den Supermarkt-Goliath „Aldi Nord“, doch dieser ließ am Vorabend des Prozesses dem Anwalt von Frau R. unter dem Deckmäntelchen der Kulanz den Prüfbericht zukommen. Dadurch wurde der Klägerin größtenteils die Grundlage des Prozesses entzogen, da nun der Hauptklagegrund entfallen war. Denn um die Einsicht in den Laborbericht ging es ja hauptsächlich in der Klage.

Warum ist das eigentlich schade?

Inwieweit ein Verbraucher ein Recht auf Produktinformationen hat, ist bislang rechtlich unklar. Das kann den Unternehmen in Deutschland natürlich nur recht sein.

Keine Tendenz, keine Erhellung 

Nachdem also der Hauptklagegrund entfallen war, blieb letztlich jedoch nur noch der Entscheid der Gerichtskostenübernahme. Hier hätte man aus der Zuteilung der Kostenübernahme eine Wertung des Gerichts ablesen können, ob „Aldi Nord“ zur Bekanntgabe der Prüfergebnisse schlussendlich verpflichtet gewesen wäre oder nicht. Taktisch klug ließ jedoch der Rechtsanwalt des Supermarkts sofort erklären, „Aldi übernehme die Verfahrenskosten.“

Bedauerlich

Somit kam es nicht zu dieser grundsätzlichen Stellungnahme eines Deutschen Gerichts. Dies bedauerte auch Richterin Vogt, die im Rahmen der Überprüfung der Mängelhaftung dies gern besprochen hätte.

Zumindest ist nun für „Aldi Nord“ wieder „ Alles in Butter“.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§ 437 BGB

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01.10.2014 08:30
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