7 Irrtümer in der Eckkneipe, die immer wieder passieren

Mittwoch, 28.10.2015 PK

Immer wieder erhitzen sich von selbst ernannten Stammtisch-Juristen die Gemüter, nur weil sie irgendwann einmal vermeintliche Regeln gehört haben, deren Wahrheitsgehalt gegen Null geht. Dummerweise brennen sich solche Behauptungen bei vielen unauslöschlich ins Gedächtnis. Wir räumen jetzt mal mit dem Unsinn auf…

Irrtum #1:

Wenn ich eine Tischreservierung platzen lasse, steht dem Wirt Schadensersatz zu

Unsinn! Das träfe nur dann zu, wenn der Gast bestimmte Speisen oder eine besondere Tischdekoration vorbestellt hätte. Eine bloße Platzreservierung aber dient allein der „Anbahnung eines noch auszuhandelnden Bewirtungsvertrages“ (LG Kiel, Urteil v. 22.01.1998: 8 S 160/97). 

Irrtum #2:

Der Wirt haftet nicht für die Garderobe

Das gilt nur, wenn Mäntel und Jacken in Sichtweite des Gastes hängen. Befindet sich die einzige Garderobe aber außerhalb des Gastraumes, und es gibt keine Alternative, kann der Wirt die Haftung nicht kategorisch ausschließen – auch mit einem entsprechenden Hinweisschild nicht!

Irrtum #3:

Was auf der Speisekarte steht, muss auch serviert werden

Das ist falsch! Auch wenn es seinem guten Ruf schadet – wenn die Champignons nunmal „aus“ sind, dann gibt es eben keine. Der Gast hat keine Anspruch darauf, dass der Wirt mal eben schnell neue kauft. Allerdings: Fehlt in der angebotenen Speise eine Zutat, können (nicht müssen) sich Gast und Wirt auf einen geringeren Preis verständigen.

Irrtum #4:

Der Schaum auf dem Bier zählt zur Füllmenge dazu

Völliger Quatsch! Getränke müssen so ausgeschenkt werden, dass der Pegel der Flüssigkeit den Eichstrich erreicht. Der Schaum muss über dem Eichstrich bleiben.

Irrtum #5:

Die Gewichtsangabe bei Fleisch bezieht sich auf die Rohware

Das könnte einigen Wirten so passen! Die Angabe „Rumpsteak, 200 g“ bezieht sich auf das, was Sie gebraten auf Ihrem Teller vorfinden. Übrigens gilt das auch für Pizza: Wird die in der Karte mit 24 Zentimetern angegeben, dann muss sie nach dem Backen diese Größe haben.

Irrtum #6:

Die Striche auf dem Bierdeckel sind keine verbindliche Rechnung

Vorsicht, das ist völlig falsch! Egal, wie der Wirt Bestellungen auflistet – Striche auf dem Bierdeckel sind ein beweiskräftiges Dokument für den Verzehr. Gäste, die versuchen, einzelne Striche wieder auszuradieren, begehen daher eine Urkundenfälschung. 

Irrtum #7:

Wer als Letzter geht, hat den Rest der offenen Rechnung zu zahlen

Das wird in vielen Kneipen so gehandhabt, ist aber nicht zulässig. Denn jeder muss auch nur das bezahlen, was er bestellt hat. Hat er allerdings eine Tischrunde für die Kumpels geordert, dann haftet er natürlich auch für deren Getränke. Bleibt jedoch ein Teil der Rechnung offen, da Gäste aus einer Gruppe gegangen sind, ohne zu zahlen, dann bleibt der Wirt selber auf dem Schaden sitzen.

Biergläser

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